Knapp 1.500 km von Babenhausen entfernt konnte eine Schülerdelegation der Offenen Schule Babenhausen eine Woche lang ihren Horizont in der griechischen Großstadt Thessaloniki erweitern. Neben den griechischen Gastgebern nahm auch eine Schülergruppe aus dem irischen Buncrana an der Projektkonferenz zum Auftakt eines neuen, von der Europäischen Kommission geförderten Erasmus-Projektes der Joachim-Schumann-Schule teil. Im Mittelpunkt der besonderen Schulwoche stand das Thema „Heritage - was wollen wir erhalten / was ist uns wichtig“. Und dazu gab es in der Küstenstadt viel zu entdecken. Schon die obligatorische Stadtführung brachte für die Neunt- und Zehntklässler viele neue Themen ans Tageslicht, schließlich stehen das Byzantinische Reich oder das orthodoxe Christentum nicht an prominenter Stelle im hessischen Lehrplan. Auf ihrer Entdeckungsreise durch die ostgriechische Metropole nutzten die Jugendlichen einen von ihren griechischen Mitschülern entwickelten Actionbound, eine Stadtrallye-App für das Handy. Unterstützt wurden sie auf ihrem Weg zu den antiken und byzantinischen Monumenten von einer Archäologin, die die Gruppe begleitete. In den thematisch passenden Museen staunten sie über filigrane Details von Schmuck und Kronen, aber auch über marmorne Altarschranken oder Waffen und Werkzeuge. Projektkoordinator Andreas Murmann freute sich über das Interesse seiner Schülergruppe und deren Offenheit gegenüber neuen Themen und den Mitschülern der Partnerschulen. Antike Musikinstrumente wurden in einem eindrucksvollen Workshop nicht nur vorgeführt, sondern in Form einer Panflöte auch selbst gebaut und ausprobiert. Eine Herausforderung für die nicht Griechisch sprechenden Teilnehmer war schließlich das gemeinsame Singen des ältesten Musikstücks, für das eine vollständige Notenschrift erhalten ist - ein Trauerlied, das auf einer Grabinschrift, dem Seikilos Epitah, gefunden wurde.
Eine Exkursion führte zum Grabhügel des makedonischen Königs Philipp II, dem Vater Alexanders des Großen. Der Grabhügel der ersten Hauptstadt der Makedonier, Aigai, gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die von Grabräubern verschonte Nekropole wurde erst 1977 entdeckt. Beeindruckt waren die Jugendlichen auch von der Rekonstruktion des ehemaligen Königspalastes und der damit verbundenen Frage nach dem Sinn von Rekonstruktionen. Eine Frage, die sich die Schüler auch mit Blick auf ihr Heimatland stellten.
Aber nicht nur die alte Geschichte spielte eine Rolle - der große Stadtbrand von 1917 oder das schwere Erdbeben von 1978 machten deutlich, wie bedroht nicht nur Menschenleben, sondern auch das kulturelle Erbe ist. In diesem Zusammenhang tauchte auch immer wieder die Vertreibung der Griechen aus dem Gebiet der heutigen Türkei auf. Viele der vor etwas mehr als 100 Jahren Vertriebenen haben sich im Osten Griechenlands niedergelassen. Dass der Gedenktag des Völkermordes an den Pontosgriechen, der 19. Mai, in die Zeit des Besuchs der Babenhauser fiel, rückte dieses Thema besonders in den Vordergrund, zumal viele der Gastgeber selbst Teil dieser Geschichte waren.
Seit Projektbeginn im Januar 2024 hatten sich die Jugendlichen unter anderem mit dem kulturellen Erbe des Karnevals beschäftigt, dessen regionale Ausprägungen auf der Liste des immateriellen Welterbes stehen. Dazu hatten griechische und deutsche Schüler Videopräsentationen erstellt. Im Gegenzug stellte die irische Delegation ihre Traditionen rund um den St. Patrick's Day vor, der seit kurzem mit dem Gedenktag der Heiligen Brigida von Kildare ein weibliches Pendant hat. Ab 2023 wird der St. Brigid’s Day am 1. Februar ein offizieller irischer Feiertag sein.
Nach der schnell vergangenen Woche drücken die Erasmus-Teams der beteiligten Schulen nun ihren portugiesischen Kollegen die Daumen. Aber auch wenn die Partnerschule in Lissabon nicht von der EU gefördert wird, sind die Jugendlichen dort herzlich willkommen. Im Oktober soll das Thema bei einem Treffen in Lissabon vertieft werden. Die Einladung der Schule D.Dinis liegt bereits vor und die Offene Schule Babenhausen kann damit eine über 25-jährige Partnerschaft fortsetzen. Im März 2025 wird Babenhausen Gastgeber sein.
