Donnerstag, 20. März 2025

Die Kaserne in Babenhausen

Die Kaserne in Babenhausen

Was soll mit den Überbleibseln aus der Geschichte geschehen?


Abb. 1 Eines der Hauptgebäude mit dem ersten Wasserturm

Nachdem die US-Amerikaner die Kaserne im Jahr 2007 verlassen hatten, passierte (zumindest von außen betrachtet) lange wenig. 140 Hektar Truppenübungsplatz sowie historische und modernere Kasernen- und Wohngebäude an der B26 in Richtung Aschaffenburg standen nun vor einer offenen Zukunft. Das Gebiet war auf jeden Fall stadtprägend und ist ein Zeugnis der jüngeren Geschichte Babenhausens – doch was sollte daraus werden? Was sollte erhalten bleiben? Und welche neue Nutzung sollte der zu erhaltende Teil bekommen?

Den Anfang machte der unbebaute ehemalige Truppenübungsplatz. 80 Hektar wurden als „Natura-2000-Gebiet“ mit einem Schutzstatus versehen. Das ist nicht ungewöhnlich, denn durch die Nutzungsart sind solche Gelände oft ökologisch wertvoll. Seit 2014 werden die offenen Flächen durch die Ansiedlung von Przewalskipferden vor Verbuschung geschützt. Gleichzeitig sind diese Wildpferde Teil eines europäischen Zuchtprogramms und können mit etwas Glück beobachtet werden. Im Jahr 2024 gab es auf der 68 Hektar großen Heidefläche erstmals Nachwuchs.


Abb. 2 Die ehemalige Kapelle

Die Geschichte der Kaserne begann mit dem 1. Großherzoglichen Reiterregiment, den Roten Dragonern. Sie wurden 1869 zunächst im Schloss Babenhausen untergebracht. Für das damals ländliche Städtchen war dies ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Als Babenhausen ab 1891 keine Garnisonsstadt mehr war, machte sich dies auch wirtschaftlich bald bemerkbar.

Versuche, die militärische Führung in Berlin zu einer erneuten Entsendung von Soldaten nach Babenhausen zu bewegen, waren erfolgreich, und im Mai 1900 wurde mit dem Bau der Kaserne am heutigen Standort begonnen. Das Vorhaben wurde durch eine Anleihe der Stadt finanziert und die Kaserne war bereits im September 1901 fertiggestellt. Im Oktober wurde sie von der II. Abteilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 61 bezogen. Insgesamt drei Abteilungen standen jeweils eine einheitliche Gebäudeausstattung um einen zentralen Hof zur Verfügung – von der Unterkunft bis hin zum Pferdestall. Dieser Aufbau ist auch heute noch gut zu erkennen. Ergänzt wurde das Ensemble durch Funktionsgebäude wie den Wasserturm oder das Wohnhaus des Kommandanten.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Kaserne als Unterkunft für Artillerie- und Kavallerieeinheiten genutzt, danach zogen zeitweise französische Soldaten und später eine Polizeischule ein. In den 1930er Jahren wurde die Anlage wieder zur Kaserne für die Wehrmacht und um einen Feldflugplatz erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Kaserne zeitweise als Lager für Kriegsgefangene und war knapp fünf Jahre lang ein Durchgangslager für Flüchtlinge (DP-Lager für Displaced Persons), bis 1955 die US-Streitkräfte einzogen. Diese prägten lange das Stadtbild von Babenhausen. Einige der Gebäude, darunter auch die ehemalige Kapelle der amerikanischen Kaserne, wurden bis zum Umbau für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.


Abb. 3 Zentraler Hof mit dem Wasserturm der amerikanischen Kaserne

Neben dem Schutzgebiet entstehen auf der ehemaligen Anlage drei Bereiche. Die historische Kaserne wandelt sich in ein Kreativquartier mit den Schwerpunkten Büro, Kultur, Bildung und Dienstleistung, wobei ein Teil der ehemaligen Gebäude zu Privatwohnungen umgebaut wurde. Im ehemaligen technischen Bereich entsteht ein Gewerbegebiet und auf dem Gelände der ehemaligen Housing Area, die zur Zeit der amerikanischen Nutzung Platz für bis zu 4000 Personen bot, entsteht ein Wohnquartier. Diese drei Bereiche werden auch verkehrstechnisch unabhängig voneinander erschlossen.

Herzlichen Dank an Joachim Heizmann für die ausführliche Führung über das Kasernengelände.

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